Seit damals beobachte und schätze ich die DM-Bands unserer deutschen Nachbarn ganz besonders. Gerade in meiner vor einiger Zeit selbsterfundenen Position als "OSDM-Fan-Beauftragter in der Blogsphäre" ist die deutsche Szene ein wichtiger Faktor: Die meisten der Bands von damals sind noch mit exzellenten Releases und Livedarbietungen präsent (z.b. Fleshcrawl am Vienna Metal Meeting im Mai dieses Jahres - ein hinreißender Auftritt!) und mit der jüngeren Garde wie Kriegszittern oder Cryptic Brood (Review hier) ist auch an frischem OSDM-Blut kein Mangel.¹
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| OSDM-Ikonen aus Deutschland: Purgatory |
Meine absolute Lieblingsplatte von Purgatory ist “Necromantaeon” aus dem Jahr 2011. Die liebe ich deswegen auch so sehr, weil sie zu einer Zeit aufgenommen wurde, als durch den -core (oder “korl”, wie wir Ösen den gerne nennen) schon längst alles modisch geworden war, was wirkliche Todesblei-Fans hassen wie die Pest: blödsinniges Schweinegequieke, eine erschreckende Formularisierung der Musik, und Produktionen, die ausser "Brutalität" absolut keinen Wiedererkennungswert zu bieten hatten.
Purgatory sind zwar ihren OSDM-Idealen immer treu geblieben, allerdings haben sie ihren Stil immer auch behutsam modernisiert. Im Klartext: “Necromantaeon” prügelt dich in bester Manier windelweich, allerdings weder im rumpeligen Keller-Stil (den ich ja auch mag), noch digital hochgepumpt wie mit Stereoiden - sondern mit einer wunderbar modernen, glasklaren Produktion. Da ist Dynamik drin! Seien wir ehrlich: Auf diese Weise kann man die Wucht so einer Todesblei-Granate doch viel besser genießen als mit öden Loudness-Tricks.
Dazu kommt das ausgereifte Songwriting: “Necromantaeon” marschiert klar und deutlich nach vorne, ist aber keineswegs stumpf. Da merkt man eben die jahrelange Songwriting-Erfahrung: ohne sich in Tech-Gefrickel zu verzetteln, bieten die einzelnen Songs genug Komplexität, damit die Platte auch nach dem x-ten Durchlauf nicht langweilig wird und immer wieder neue Details offenbart. Die Klarheit der einzelnen Instrumente im Mix hat auch dazu geführt, dass mir das virtuose Zusammenspiel der wunderbar dahinratternden Bassdrum mit den anderen Elementen besonders aufgefallen ist. Es ist mir immer wieder ein ausgesprochener Genuß, genau auf die Interaktion zwischen Growls, Riffs und dem Schlagzeug zu achten.
Soweit mein sicherlich sehr subjektiver Eindruck zu Purgatory’s “Necromantaeon”. Ich hoffe natürlich (so wie alle Purgatory-Fans) auf einen neuen Release, und daß es mir einmal möglich sein wird, diese Legenden auch live zu erleben.
Falls ihr so wie ich Bandcamp-Nerds seid, dieses wichtige OSDM-Werk kann man hier zum absoluten Freundschaftspreis erwerben (oder einfach auf das BC-Banner klicken).
¹ Fleshcrawl bringen übrigens Ende November nach insgesamt 12 Jahren(!) ein neues Werk heraus. Das heisst "Into The Catacombs Of Flesh", eine Kritik dazu gibt es hier und ein erstes Video gibt es auch schon:

