Dienstag, 5. November 2019

When in Sodom mit Cryptic Brood & Ekpyrosis.

Noch vor nicht allzu langer Zeit war ich ziemlich frustriert, weil ich in dem maschinenartigen, alle Geschwindigkeits- und Loudness-Rekorde brechenden, hektischen Chaos der Releases, die heutzutage unter dem Label “Death Metal” herauskommen, so gut wie nichts mehr von meiner Lieblingsmusik aus den glorreichen 1990er-Jahren wiedererkannte. Das schließt auch sämtliche Begriffe wie “Brutal” oder “Slam” ein wie auch Porngrind, Pigsqueals und was weiß ich noch für jugendkulturellen Unsinn.

Bis ich die FORMEL gefunden hatte, die aus simplen vier Buchstaben besteht: O S D M. Eine Zauberformel, die mich zurück zu meinen todesmetallischen Ursprüngen führte, zu der Erregung, die ein snobistischer Jazzfan vor 30 Jahren verspürte, als er zum ersten Mal Deicide, Napalm Death, Winter, Possessed oder Massacre hörte. Was diesen Menschen (mich) dann schlussendlich dazu brachte, seine Sammlung aus mehreren tausend Jazz-Schallplatten so schnell wie möglich zu verkaufen, um sich dafür einen CD-Player und die entsprechenden, neuen Death Metal-Entdeckungen zuzulegen.



Aber OSDM (Old School Death Metal) bedeutet zweierlei: Dass die verwitterten, alten Herren von damals heutzutage wenigstens innerhalb unserer Subkultur die Würdigung und Verehrung erfahren, die ihnen absolut zusteht. Und zum anderen war ich, als ich die Tragweite dieser wunderbaren Buchstaben erkannte, zuerst überrascht, und dann vollkommen geplättet, wie unendlich viele junge Bands es gibt, die dem Death Metal alter, brutaler Schule huldigen. Geplättet bin ich immer noch - immer wieder aufs Neue, denn es gibt soviel hochwertiges Material, dass ich mit dem Hören, Worshippen und Reviewen immer vollkommen überfordert bin. Herrlich!


Und es ist auch vollkommen ok, dass die alten OSDM-Werte Bestand haben - denn innerhalb der Grenzen des Subgenres entwickeln sich immer wieder Bands mit allerhöchstem Wiedererkennungswert. Zwei dieser höchst kreativen OSDM-Bands darf ich in Bälde hier im Doppelpaket in meiner Heimatstadt Graz bewundern - und möchte sie deswegen auch hier in aller gebotenen Kürze würdigen.

Die erste Band (ein Tipp meines geschätzten Blogkollegen Philgrim, durch den ich überhaupt erst in die tiefergehenden Geheimnisse von OSDM eingeweiht wurde) stammt aus unserem Nachbarland Deutschland, genauer gesagt aus Wolfsburg: Cryptic Brood.


Und die sind so grandios! Die Gänsehaut, die mir beim ersten Hören von “Wormhead” oder “Brain Eater” über den ganzen Luxuskörper fuhr, hat mich seitdem nicht mehr verlassen. Cryptic Brood nennen ihren speziellen OSDM-Brand “Rotten Metal of Death” und lösen das auch unachgiebig ein. Chris Reifert würde vor lauter Freude im Grab rotieren, wenn er (gottseidank!) nicht noch quietschlebendig wäre. Der Sound von Cryptic Brood ist einfach… pestilenzisch (ist das ein Wort?), die Gitarrenriffs klingen so genial unterirdisch, wie wenn sie unter Tonnen von feuchter Graberde begraben wären. Und wer solch kranke Songstrukturen bastelt, muss in Wirklichkeit ein Zombie sein. Ausserdem: Songtitel wie “Slurping Reeking Slime” oder “Gargling Vicious Mass” verraten mir den ganz speziellen Humor, den nur Menschen teilen, die in ihrem Leben schon genug Lucio Fulci-Filme gesehen haben.



☠☠☠


Die zweite Band, die sich mit Cryptic Brood derzeit auf der “In the Grip of Death”-Tour befindet, die sie auch nach Graz führen wird, heisst Ekpyrosis und ist gleich, nachdem ich sie entdeckt und in deren aktuellen Release “Primordial Chaos Restored” reingehört habe, in mein verrottetes Nerdherz vorgestossen und hat sich dort festgekrallt wie ein Parasit. Was für eine dämonische Freude! Denn die jungen Herren (und Dame an den Drums) aus Italien klingen wie eine upgedatete Version meines über alles geliebten Urgesteins Incantation (Würdigung hier). Was das bedeutet? Einen Abstieg in allerfinsterste Grüfte tief unter der Erde. Und was man dort unabsichtlich freilegt, war nie dafür gedacht, auf unserer Erde zu wandeln. Eine majestätische Abomination, deren Präsenz des Bösen für das letzte Erschauern vor dem Tod sorgt, ganz so, wie der verfluchte Protagonist in den vielen Lovecraft-Stories letztendlich erkennt… und stirbt. Kein Slam-Breakdown der Welt könnte jemals in mir auch nur annähernd solche überwältigenden Gefühle erzeugen.



Bitte unterstützt diese Szene so gut wie möglich - reich wird hier niemand, und der kapitalistische Mainstream ist meilenweit entfernt. Kauft die Releases, deckt euch ein mit dem wunderbaren Merch und besucht das Konzert von Cryptic Brood und Ekpyrosis am 17. November im Grazer club wakuum! Veranstaltet werden sie von den netten Leuten von When in Sodom, die sich darum bemühen, uns Fans mit dem heissesten Scheiss des extremen Metal zu versorgen. Das gelingt ihnen absolut gut. Das Konzert der beiden Bands auf der “In The Grip of Death”-Tour im wakuum ist übrigens das einzige in Österreich.

<docN>

☠☠☠


Cryptic Brood Bandcamp, Ekpyrosis Bandcamp.

When in Sodom Veranstaltungsreihe.