Samstag, 11. Januar 2020

NewsFLESH IV: Sentient Horror & Skullcrush.

Etwas spät erwacht auch dieses Blog wieder aus dem Winterschlaf und der Weckruf zum Munterwerden könnte nicht schöner sein: Da sägen sich die Stromgitarren munter ins Hirn und man weiß, die wunderbaren Tribute an den guten alten Schwedendeath gehen mit hochkarätigen Releases weiter. Denn die zwei Bands bzw. deren Releases, die ich heute vorstellen möchte, wären ohne das kultige Boss HM-2-Pedal nicht denkbar, und bestätigen auch wieder einmal meine im letzten Jahr getätigte Beobachtung, daß in letzter Zeit die amerikanischen OSDM-Bands sich mit Vorliebe den schwedischen Vorbildern widmen, während aus dem hohen Norden Klänge kommen, die wiederum sehr an den guten alten Florida-Death erinnern. Die Welt ist halt ein amerikanisch-schwedisches Dorf geworden.



Meine erste Entdeckung, Sentient Horror, stammen noch dazu (muss man sich auf der Zunge zergehen lassen) aus Stockholm - in New Jersey. Wie sollte man da als OSDM-Band anders klingen als nach Swedeath? Seine Einflüsse gibt Bandgründer, Gitarrist und Songwriter Matt Moliti im Interview mit dem Decibel Magazine auch nur zu gerne preis: “[...] I was looking at my favorite Old School Death Metal-Records: ‘Left Hand Path’, ‘Like an Everflowing Stream'". ¹ Und während der Arbeiten am dritten Release dann auch noch der absolute Glücksfall: DM-Guru Dan Swanö hatte das Sentient Horror-Debüt “Ungodly Forms” aus dem Jahr 2016 gehört, und bekundete Interesse an einer Zusammenarbeit - was dazu führte, daß das Edge Of Sanity-Mastermind den aktuellen Longplayer des Trios gemischt und gemastered hat.


Und so ist ganz klar, wohin die Reise von “Morbid Realms” (so der Titel des aktuellen Werks) geht: In die überaus brachialen Gefilde früher Entombed- und Dismember-Releases. Was mir ein bisschen abgeht, ist die Bremse: die würde bei dem ganzen Gebrettere schon für ein wenig Abwechslung sorgen. Egal, man kann nicht alles haben. An die Originalität von Gatecreepers “Deserted” kommen Sentient Horror nicht ganz heran, trotzdem macht auch “Morbid Realms” höllischen Spaß und lässt die Nackenmuskeln ordentlich schmerzen. Kollege Christian Popp von metal.de hat es in seinem Review wiedermal wunderbar knorrig auf den Punkt gebracht: “Schädel spalten, Keule schwingen und dabei Death Metal singen²


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Auch der zweite Release, den ich euch unbedingt ans OSDM-Herz legen möchte, macht extrem gute Laune: “Archaic Towers of Annihilation” von Skullcrush, einer erst 2017 gegründeten Band aus Phoenix, Arizona. Der HM-2-Sound dominiert auch diese (wunderbar betitelte) Scheibe; hier wird allerdings im Gegensatz zu “Morbid Realms” oftmals das Tempo herausgenommen, was im Gesamteindruck noch mehr Heavyness vermittelt. Super auch die Pseudonyme der Bandmitglieder: Ideal Master of the Holy Crypt bearbeitet die Gitarrenseiten, High Seeker of Apocrypha zupft den Bass und brüllt sich mindestens wie der unheilige Martin van Drunen die Seele aus dem Leib, während der Grand Marshall of Hell das Drumset verprügelt.


Und - sorry ich kann nicht anders, als in Schubladen zu denken - speziell in den langsameren Passagen klingt “Archaic Towers of Annihilation” für mich wie eine Mischung aus alten Grave und der deutschen Kultformation Cryptic Brood. Was im Endeffekt eine unglaublich reizvolle Mischung ausmacht. Aber keine Sorge: Es wird ja auch gnadenlos geknüppelt und noch dazu in einer wunderbar oldschooligen Produktion. Das kann nicht mit den neuen Brutalo-Erzeugnissen mithalten (will es auch nicht), dafür bekommt man statt getriggerten Drums und Loudness-Unsinnigkeiten einen sehr analogen Mix serviert, in dem jeder verzerrte Ton absolut Sinn ergibt.


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¹ aus einem Interview mit dem Decibel Magazine, Ausgabe 01/20 


Sentient Horror Bandcamp, Facebook

Skullcrush Bandcamp, Facebook

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