Die Kerzen erleuchten den kargen Raum, die Räucherstäbchen verbreiten wabbernden Rauch und aus den Boxen tönt das Zweitwerk der mit Sicherheit satanischsten Band, wenn es um die Gründerväter des OSDM geht...Wie auch bei meinem Artikel zu Obituary könnte hier auch "Deicide", der selbstbetitelte Erstling, oder gar die Demo-Sammlung "Amon: Feasting the Beast" stehen. Oder aber, wie es mein bester Freund A. kürzlich formulierte "egal welches, jedes der ersten vier Deicide-Alben ist gnadenlos gut!". Und wisst ihr...er hat gnadenlos recht!!
Bevor wir zum Album kommen, ein kurzer Abriss der Geschichte der Band bis zur Veröffentlichung von "Legion". Bereits 1987 unter dem Namen Amon (siehe Demo-Kompilation) gegründet, deibelten sich Glen Benton (Gesang und Bass), die Hoffmann-Brüder Brian und Eric an den Gitarren, sowie der - für Songwriting, Arragement und Produktion unheimlich wichtige- Schlagzeuger Steve Asheim durch vom frühen Trash Metal der Marke Slayer geprägten, einigermaßen technischen Death Metal ältester Schule. Wobei man technisch hier nicht mit den Grifbrettverrenkungen der New Yorker Schule verwechseln darf. Vielmehr bezieht sich die Beschreibung auf das schon damals unglaubliche spielerische Niveau des Kleeblats, das dabei aber nie die geliebte Stumpfheit im Sound vermissen lässt. Nach zwei Demos benannte man sich 1989 in Deicide ("Göttesmörder", das mag heutzutage infantil klingen, aber Ende der 80er...Alter!) um und veröffentlichte ein Jahr später das selbstbetitelte Debut, welches noch aus Überresten der Demoaufnahmen bestand und mit 33:13 Minuten recht kurz anmutete. Ich für meinen Teil bevorzuge im Übrigen die Versionen der Demos, wegen des noch raueren, dabei aber für meine Ohren auch runderen Klangbilds - das ist aber Geschmackssache.
Zwei Jahre später, 1992, folgte das für den Schreiber dieser Zeilen bis heute gültige Masterpiece der Band. Klar, auf "Legion" befindet sich kein "Lunatic of God's Creation", aber alleine das Eröffnungstriple "Satan Spawn-The Caco-Daemon", "Dead but Dreaming", und "Repent to Die" (nicht zu vergessen das absolut kranke Lachen in "In Hell I Burn") killen so ziemlich alles, was bis dahin das Licht der Death Metal-Welt erblickt hatte. Das Intro von "Satan Spawn..." mit seinem an ein satanisches Ritual gemahnenden, guturalen Geflüstere in Verbindung mit Ziegenlauten ist epochenmachend und sollte auch viele folgende Bands beeinflussen. Die Gitarrenarbeit der Hoffmanns ist über jeden Zweifel erhaben und konnte nach ihrem Abgang so nie wieder reproduziert werden. Zwar fanden sich mit Jack Owen und Ralph Santolla extrem patente Klampfer bei der Band ein, aber dieses spezielle Feeling hatten nur Brian und Eric.
Steve Asheim spielt ein äußert effektives, von Spielwitz geprägtes Schlagzeug und konnte speziell mit der "Beinarbeit" einen Stil prägen, ohne den es auch manch hartgesottenen Blackmetaler heute nicht geben würde. Über allem gurgelt, kotzt und keift sich Glen Benton satanische Botschaften aus dem geschundenen Leib, die damals nicht nur Christa Jenal steilgehen liesen, sondern auch bei so Manchem von uns jungen Wilden ehrfurchtsvolle Angst heraufbeschworen. Zumindest ich für meinem Teil glaubte dem unheiligen Glen jede Silbe! Die Albumlänge ist mit 29:04 noch kürzer als "Deicide", allerdings stört dies zu keiner der (sehr intensiven) Sekunden.
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| Glen Benton by David Malagon on dribbble.com |
Nun, mittlwerweile wird Kollege Benton 53, auf aktuellen Fotos vermag ich keine Narbe mehr auf seiner Stirn zu sehen (liegt aber wohl an speziell satanischer Aloe Vera Männergesichtscreme) und sein Sohn erfreut sich bester Gesundheit. Aber, wie bereits geschrieben, der 14-jährige Philgrim glaubte damals jedes Wort! Und ich bleibe dabei: wenn es um Metal geht, werdet ihr mit verwandter Themengebung nichts Gleichartiges finden. Auch im Black Metal nicht...mehr SATAN als Deicide geht nicht!
PS: Nach Jahren der Suche habe ich mir 2019 auf dem Hammer of Doom (ausgerechnet) endlich ein Legion-Shirt gekauft.
<Philgrim>

